Julie Dashs verträumter Debütfilm ist pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum wieder in den Kinos.Es scheint eine kleine, aber nicht überraschende Tragödie zu sein, dass die amerikanische Regisseurin, Autorin und Akademikerin Julie Dash nicht in der Lage war, Filme mit einer Frequenz zu drehen, die ihren weißen, männlichen Landsleuten besser entspricht. Daughters of the Dust ist ihr rhapsodisches Debüt von 1991 und zeigt von Anfang an eine einzigartige filmische Stimme. Es deutet auch auf die zukünftigen Schätze hin, die sie schmieden wird, während sie eine wohlschmeckende, mäandernde und herzliche Bildschirmchimäre für sich ist.

Es ist die Geschichte einer kleinen Enklave von Seelen (der weitläufige Peazant-Clan), die ängstlich an einem Scheideweg in ihrer Kulturgeschichte warten. Vor der Küste von South Carolina-Georgia liegt ein kleines Inselparadies, auf dem sich afrikanische Sklaven niedergelassen haben. Es steht als symbolischer Anhang von amerikanischer Unterdrückung und Segregation, aber es ist auch geografisch begrenzt, noch nicht der Schmelztiegel für eine neue und aufgeklärte Form der Zivilisation. Der Film bietet eine poetische politische Vision einer Gesellschaft, die zwischen den Stühlen des Fortschritts und der Regression fällt und fragt, ob es der einzige Weg ist, wahre Freiheit zu erlangen, sich gegen die Travestien des amerikanischen Südens zu stellen.

Anstatt zu versuchen, die Charaktere und ihre Persönlichkeiten für ein Massenpublikum zu rationalisieren, feiert und verstärkt Dash ihre kulturellen Eigenheiten. Die Schauspieler sprechen, als würden sie Linien auf einer Bühne liefern, aber dieses theatralische Furnier greift eine Tradition des Geschichtenerzählens und Mythenmachens auf. Während Männer herumschlendern, kämpfen und streiten, kochen die Frauen Mais, Yamswurzeln und Schalentiere. Aber weit davon entfernt, sich über banale Hausarbeiten zu unterhalten, werden auch sie existenziell über die Bräuche, die sie aus Westafrika importiert haben.

Diese abnehmende Verbindung zu einer spirituelleren Lebensweise geht von Arthur Jafas traumhafter Kinematographie aus, die atemberaubende Kameraeffekte nutzt. Ein besuchender Fotograf bietet den Inselbewohnern einen Vorgeschmack auf die neue Welt, und es ist belebend zu glauben, dass seine Bilder einen Moment kollektiver Transzendenz einfangen.

Veröffentlicht 1. Juni 2017

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